Ein Film so postdramatisch wie sein Titel, ein komisches Filmexperiment. Wer in diesem Film auf eine Filmerzählung hofft, kann nur enttäuscht werden. Trotz des assoziationsreichen Titels und zahlreicher narrativer Momente im Film, wird hier so einiges, was jemals über Film gesagt oder geschrieben wurde, zweckentfremdet. Der Text wurde komponiert aus Versatzstücken und Fragmenten von verschiedenen Quellen und in eine nicht‐lineare Montage gefasst. Alles wird zu Textmaterial aus dem der Regisseur ein Netz spinnt, das sich auf verschiedensten Ebenen und Sichtweisen mit Film und darüber hinaus mit Gesellschaft auseinandersetzt. Der Autor scheut nicht davor zu scheitern an seiner eigenen Kritik an der konventionellen filmischen Erzählung und am eigenen Versuch eines Angebots einer revolutionäreren Film‐ und Erzählform. Dabei handelt es sich zunächst um den satirischen aber ebenso ernst gemeinten Blick eines besessenen Realisten, der die Wirklichkeit bis in ihre unwirklichsten, unsichtbarsten Situationen, wo die Realität von einer surrealen Dimension eingefangen wird, als veränderbar markieren will. Einem Angebot des Widerstands nähert sich der Film in den fragmentarischen Episoden der Protagonisten. Zunächst einmal haben sicher irgendwo alle Episoden bestimmte Referenzen in oder mit bekannten Genres, Schauspielern oder bestimmten Filmen und wiederholen auf ihre Art jenes Spiel der Film‐Industrie. Dennoch, alle verweigern sich die Geschichte zu reproduzieren. In der Ruine eines Kaufhauses philosophieren und streiten die Protagonisten einer Gesprächsrunde um das Thema der Revolution und derer Darstellung. Während sie sich gegen den Regisseur verschworen zu haben scheinen, wurde den Beteiligten so einiges vorher in den Mund gelegt. In einer alltäglichen Situation ist eine junge Frau verstrickt in ein Telefonat mit einem Unbekannten, alles ist wie immer und nichts passiert, bis sie eine Entscheidung trifft. Eine Reporterin auf der trivialen Reise ihrer gewohnten Reportagetätigkeit durch den urbanen städtischen Raum berichtet über das Problem der Repräsentation bis sich ihr das Problem in ihrer eigenen Handlung offenbart. Ein Mann, ein Wanderer sucht seinen Weg vom Unbehagen vor der Kinoleinwand über seine Wut am Bahnhof bis zur Klarheit in die freie Natur. Was er findet sind seine Formulierungen für ein kritisches Filmprogramm. Ein Schauspieler spielt einen Zoowärter in einem Melodram, im Verlauf des Filmdrehs verläuft am Set nicht alles nach Plan und als ein Polizist hinzustößt gerät alles außer Kontrolle. Es wirkt wie das Prinzip eines burlesken Films, dessen Antikonzept und Lust am Scheitern im selben Text fast so etwas wie einen utopischen Horizont für Film und Gesellschaft zugleich zu wollen scheint. Das absurd‐radikale Spielerische bringt jegliche Handlung stets an den Punkt ihres eigenen Verwürfnisses, ihrer Autodestruktion und Selbstdurchkreuzung. Und dazu tragen alle Protagonisten...
  • Jahr 2010
  • Länge 63:52
  • Gattung Fiktion
  • Prüfung Diplom-Nebenfach
Jos Diegel - KEIN HELDENTUM UND KEINE EXPERIMENTE: WIR RUFEN GERNE...
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