• Alte Oper, Frankfurt. 12.10.2018
  • Matthias Lawetzky gewinnt HFP 2018. ©Markus Nass
  • Anika Wager, Brenda Lien, Matthias Lawetzky, Ivan Robles Mendoza, HfG
  • Claus Witthopf, Matthias Lawetzky, Ivan Robles Mendoza, HfG
  •  2018 | Dokumentarfilm | 29 Minuten | englisch | englisch Untertitel |

15 10 2018

Matthias Lawetzky gewinnt HFP 2018

Hessischer Film- und Kinopreis 2018 Kategorie Hochschulfilm
Appalachian Holler (Deutschland 2018, 29 Min.)
Regie: Matthias Lawetzky | Hochschule für Gestaltung Offenbach| Preisgeld: 7.500 Euro

 

„Die Appalachen gelten als eines der Armenhäuser Nordamerikas – der Kohleboom ist vorbei, die Landwirtschaft tut sich schwer – und in diesen Bergen entstand die „Mountain Music“, der Ursprung der Country- und später Bluegrass Musik. Matthias Lawetzky, Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, nähert sich in seinem Dokumentarfilm „Appalachian Holler“ den Einwohnern dieses Mittelgebirges und ihrer Beziehung zu dieser Musik sehr einfühlsam. In ruhigen und intensiven Bildern trägt er die Geschichten der Einheimischen vor und untermalt dies mit simplen, ehrlichen Strukturen der Mountain Music. Mit seiner Kamera bewahrt er respektvoll Distanz zu den Gesichtern, den Instrumenten und Häusern, um die herrschende Armut nicht unnötig zu betonen. Die Schnitte sind ruhig und unaufdringlich und schaffen eine harmonische Verbindung von Schauplatz und Musik. Matthias Lawetzky hat eine innovative Idee für ein dokumentarisches Thema in einen beeindruckenden Abschlussfilm verwandelt.“

 

Appalachian Holler
Matthias Lawetzky´s Interesse im Film lag anfangs auf der Arbeit mit Schauspielern als Regisseur mit selbstgeschriebenen Drehbüchern, mischte sich dann langsam mit einer durch die Kameraarbeit inszenierten Realität, bis er statt der Schauspieler_innen „echte“ Menschen vor seine Kamera brachte: als Regisseur, Kamera + Tonmann in personal-union. Es geht in seinen Filmen immer um Figuren am Rande der Gesellschaft. Ein Heroinabhängiger, den er liebevoll begleitet in die hintersten Ecken von Tiefgaragen, ein Bauer auf einem verlorenen Hof in den Bergen Italiens, indonesische Wettkämpfer und Liebhaber des auch dort verbotenen Hahnenkampfs und jetzt sein grandioser Abschlussfilm über den Hinterhof Amerikas: Appalachian Holler.

 

 

Die Appalachen. Ein karger, mehr als 2000 km langer Gebirgszug zwischen West Virginia, Kentucky, Tennessee… – zählt zu den ärmsten Gegenden der USA, hier lebt die sogenannte white trash kultur, Kohleminen Arbeiter früher, jetzt ohne Arbeit meist. Gezeichnet. Verloren. sogenannte Hillbillies: die „Billies vom hinterm Berg“. Mit einer lebendigen Musikkultur: oldtime music. Das man es mit einem Musiker zu tun hat, merkt man spätestens am Schnitt des Films – hier fließt alles zusammen, hier wird der Rhythmus konzentriert. Das ist die Tür, durch die Lawetzky in diese Welt kommt: über die Musik. Country, Roots music, Bluegrass – da kennt er sich genau aus. Kann das auch selbst spielen, Banjo inklusive. Nicht zuletzt deswegen wird er ernst genommen von den Hillbillies, die ihn mitnehmen in ihre Häuser, zu ihren Treffen. Uns mitnehmen.

 

 

Ein atemberaubender Dokumentar Film. Eine Reise an menschliche Abgründe. Und im Hintergrund knallt es des Öfteren. Das sind die Gewehre von denen dort jeder mindestens eines griffbereit hinter der Tür stehen hat.Das ist der Stoff aus dem Murderballads geschrieben werden, sein zentrales Thema ist ausbaufähig. Rotraut Pape