• Anika Wagner - Galene
  • Galene

22 08 2016

Videoinstallation GALENE

Aus dem Giessener Anzeiger (20.08.2016)

Von Marlene Grau

GIESSEN – Zu sehen sind Fischschwärme, die sich von der einen Ecke in die andere bewegen, Korallen, bunte Algen und eine in die Tiefen des Aquariums abtauchende Meerjungfrau im türkisenen Gewand: Wie fühlt es sich an, unter Wasser zu leben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die junge Filmschaffende Anika Wagner in ihrer neuen Videoinstallation. Ihre Ausstellung „GALENE“ feierte nun in der Hessenstube am Berliner Platz 2, angrenzend an die Kongresshalle, ihre Eröffnung.

 

Passend im dunkelblauen Matrosinnen Kostüm und einem Anker-Tattoo am linken Oberarm, präsentierte die Künstlerin ihr „digitales Aquarium“. Die inspirierenden Formen, Farben und Wesen des Meeres faszinieren die junge Künstlerin schon länger: Das Material für das Video sammelte sie bei diversen Reisen, deshalb auch ihr Bezug zum „Found footage“. Dabei handelt es sich vor allem um ein Filmgenre, das den Horrorfilmen zugeordnet wird. Die Installation von Anika Wagner hat jedoch nichts Gruseliges. Durch die auftauchende Meerjungfrau, die bunten Farbtöne und die Tatsache dass alle Meereslebewesen durch die Künstlerin menschlich dargestellt sind, bekommt die Installation eher etwas Fantastisches. Es ist ein lebendiges Bild, oder wie Anika Wagner ihr Werk selbst beschreiben würde: Ein „bewegtes Gemälde“, das eine farbenfrohe Unterwasserlandschaft darstellt. Einige Aufnahmen der zwölfminütigen Installation drehte sie zusammen mit ihrem Freund Tobias Eckert, der auch die Technik und die Kamera übernahm, vor einem Green Screen. Durch den Zusammenschnitt der Reiseaufnahmen und der vor dem Green Screen produzierten Aufnahmen entstand letztendlich ihr individuelles Unterwasserparadies. Teile der Kostüme sind aus Plastiktüten, Luftballons und Krepppapier selbst gebastelt. Für Aushilfe sorgte auch der Kostümverleih „Wundertüte“ in Lich. Weniger als eine Woche hätten die Beteiligten für die aufwendige Produktion und Ausarbeitung der einzelnen Aquariumbewohner gebraucht: „Letzte Woche Freitag haben wir uns den Raum angeschaut und da ist die Idee zum Aquarium entstanden.“ Die Hessenstube, ein Restaurant direkt neben dem Kiosk am Berliner Platz, mit ihren bodentiefen Fenstern hätte eine ideale Lokation geboten. Von innen wurde die Videoinstallation auf die Glasfläche projiziert. Die Assoziation mit einem Aquarium ist durchaus nachvollziehbar.

Anika Wagner studiert Kunst im Bereich Film und Video an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Ihre Schwäche für Filme entdeckte die gebürtige Gießenerin im Theater Traumstern in Lich: „Über die Schauspielerei bin ich zum Film gekommen.“ Seit 2005 spielt sie regelmäßig Theater und arbeitete 2008 in einem Jugendfilmprojekt mit. Einmal auf den Geschmack gekommen, produzierte sie mehrere Videos, die als Kulissen für verschiedene Theaterstücke dienten und arbeitet bis heute im Kino Traumstern. Ihre Installation wirkt wie eine Verbindung aus Theater und Film.

Im Künstlerprojekt Rauschhaus 2012 in der Ludwigstraße 19 bewohnte sie zusammen mit anderen Künstlern zehn Tage lang ein Haus. In dieser Zeit hatten die Künstler die Möglichkeit, ungestört an ihren Werken zu arbeiten. Damals bemalte Anika Wagner nach eigenen Angaben den kompletten Raum, sodass ein „dreidimensionales Gemälde“ entstand. Das Projekt hat einen Blog auf wordpress.com. 2015 war sie an der Produktion des Filmes „Der Nachtmahr“ von Akiz beteiligt, der deutschlandweit in den Kinos zu sehen war. Für alle Interessierten ist die Installation noch bis zum 25. August täglich um 21 Uhr zu sehen. Die Videoinstallation läuft in einer Dauerschleife und lässt viel entdecken. Es lohnt sich auf jeden Fall, bei einem Busstop auf dem Nachhauseweg vorbeizuschauen.